EUROPEAN NETWORK OF GREEN SENIORS
Was hat denn Ökonomie mit Alter zu tun?
FYEG-Seminar „Ökonomie für Grüne Aktivisten" vom 12.-14.12.2008 in Berlin
Gedanken anlässlich des Seminars:
Das FYEG-Seminar hat in seiner hochkarätigen Besetzung das riesige Spektrum ökonomischer Fragen sichtbar gemacht. Es wäre kein Grünes Seminar gewesen, hätte es nicht die kausalen Zusammenhänge von Ökonomie und Ökologie behandelt. Grüne Marktwirtschaft als Antwort auf eine unsolidarische kapitalistische Marktwirtschaft ist das Gebot der Stunde.
Dass die Federation Young European Green (FYEG) zu diesem Seminar auch dezidiert Grüne SeniorInnen eingeladen hat, ist keine Frage der Ehrfurcht oder Furcht vor dem Ater . Es ist ein lebendiges Zeichen für Generationenbewusstsein.
Was denn nun Ökonomie mit dem Alter zu tun hat?
Mehr als vielerorts gedacht wird. Die rasanten ökonomischen Veränderungen, europaweit spürbar durch Finanz- und Wirtschaftskrisen, zeigen, dass alle Lebensalter betroffen sind. Zinsverluste und Aktieneinbrüche an den Börsen bringen Pensions- und Rentenkassen in die Krise. Private Vorsorge ist, ebenso wie staatliche Rente, dort in permanenter Gefahr, wo kapital gedeckte Renten- und Pensionsformen firmieren. Und das sind tatsächlich die meisten.
Sich als jüngere oder junge Generation damit auseinanderzusetzen, wie das eigene Alter finanziell abgesichert werden kann, erfordert ein völlig neues Verständnis von Ökonomie, nur erwerbbar über Wissenstransfer.
War es bis vor kurzem eine Selbstverständlichkeit durch das traditionelle Umlageverfahren ein Erwerbsleben lang zu wissen, dass danach ein Rentenanspruch besteht, erleben junge Menschen heute bereits, dass sie nicht wissen, was einmal auf sie zukommen wird und werden dadurch zur leichten Beute von politischen Versprechen.
Welchen dramatischen Anteil Privatisierung hat, die Sozial- und Ökosysteme bedroht, wird mit jedem Tag sichtbarer. Ökonomische Theorien geben wichtige Erklärungen dafür ab, welchen Zyklen Wirtschaft unterworfen ist, welchen Einfluss Wirtschaftsfaktoren auf Staatsysteme haben und welchen Steuerungsmechanismen mit welchem politischen Hintergrund eingesetzt werden.
Rentensysteme sind lange Zeit hindurch so genannte Sicherheitssysteme gewesen. Sie haben einer nicht mehr erwerbstätigen Generation Kaufkraft und Lebensqualität gegeben. Seit dem immer stärker sichtbaren Zusammenbrechen der 2. und 3. Säule der Rentensicherung, der Betriebsrenten und privaten Vorsorge, sinkt die Kaufkraft der immer größer werdenden Gruppe der Senioren. Sie bedroht aber auch die folgenden Generationen massiv, die aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise immer öfter auf Unterstützung ihrer Eltern und Großeltern angewiesen sind.
Eine Generation der „working poor" steht vor einer ärmer werdenden Generation von SeniorInnen. Die Ausbeutung der ökologischen Ressourcen macht das Zukunftsszenario zusätzlich bedrohlicher denn je.
Die ökologische Krise geht alle an. Die Gegensteuerung ist mehr als je zuvor Aufgabe grüner Politik. Anstatt die Regulation dem freien Markt zu überlassen, fordern Grüne Parteien strenge Auflagen für Wirtschaft und Geldwirtschaft, für Umweltschutz und verlangen Förderung und Ausbau erneuerbarer Energien. Formen einer garantierten Mindestsicherung müssen Existenz sichernd greifen.
FYEG und ENGS waren sich vollkommen einig darüber, dass die Verbreitung von Wissen über Ökonomie und Ökologie eine der wichtigsten Aufgaben ist, um Menschen nicht undurchschaubaren Systemen auszuliefern.
ENGS, das European Network of Green Seniors, stellt sich gerne als Teil einer Plattform zur Verfügung, um als Multiplikator dazu beizutragen.
Im Sinne des interaktiven Austausches freuen wir uns, wenn Sie die Gelegenheit nutzt, uns mit einem E-Mail über die wirtschaftliche Situation in Ihrem Lebensumfeld zu informieren.
(Autorin: Birgit Meinhard-Schiebel)
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